Für Klaus-Christian van den Kerkhoff ist es ein Neuanfang, wie es schon einige in seinem Leben gegeben hat: Er wird am 31. März die Kirchengemeinde Aachen als Organist verlassen und in Tunis in Tunesien nach seiner Heirat ein neues Leben beginnen – das klingt wie ein Sprung ins kalte Wasser. „Ich kenne Land und Leute schon seit langem“, entgegnet Kerkhoff.
Er ist im Oktober 1967 im westfälischen Münster geboren und aufgewachsen. 1987 begann er sein Studium an der Musikhochschule Köln im Hauptfach Orgel und schloss es mit dem Kirchenmusik A-Examen ab. Ein Auslandsjahr verbrachte er in Paris. Nach dem Studium arbeitete er zunächst fünfeinhalb Jahre an der Lutherkirche in der Kölner Südstadt. „Ich hatte viele Freiheiten – außerdem spielte ich an der (damals) besten Orgel Kölns“, erinnert sich Kerkhoff. Schon während des Studiums hatte er nach Stellenausschreibungen Ausschau gehalten – die Beschäftigungsmöglichkeiten für Kirchenmusiker waren damals jedoch rar gesät. „Das ist heute anders: Die Kirchengemeinden reißen sich um Musiker“, so Kerkhoff.
An der Aachener Dreifaltigkeitskirche („3F“) wurde die Nachfolge für Thomas Dahl, der heute Organist an der Hauptkirche St. Petri in Hamburg ist, ausgeschrieben. Er bekam die Stelle – und spielte am 1. Advent 1996 an der „3F“ als erstes Lied „Macht hoch die Tür“ aus dem neuen Gesangbuch, das an diesem Tag eingeführt wurde.
Kerkhoff gestaltete nicht nur die Orgelmusik, auch die Chorarbeit hat er ab 2002 neu aufgestellt. „In die internationalen Orgelkonzerte kamen damals 70 Zuhörer, manchmal 100. Es lief – ich war in Aachen angekommen“, erinnert er sich. In der Chorarbeit dürfe man sich nicht davon abschrecken lassen, wenn beim ersten Termin zum Kinderchor nur zwei junge Menschen erscheinen. „Beim nächsten Mal brachten sie ihre Geschwister und Freunde mit“, erzählt Kerkhoff.
Es folgte eine Neuorganisation der Kirchengemeinde Aachen. Die Dreifaltigkeitskirche wurde als Sanierungsfall über mehrere Jahre geschlossen, die große Klais-Orgel nach Köln verkauft und in der Trinitatiskirche neu errichtet; van den Kerkhoff versah die Orgeldienste im Aachener Süden und in Richterich und organisierte weiter Orgelkonzerte im gesamten Stadtgebiet.
2008 kam Pfarrer Redmer Studemund (1966-2024) an die Immanuelkirche. „Das fühlte sich wie ein Neuaufbruch an. Er brachte Schwung in den Pfarrbezirk, alles war gut durchorganisiert. Außerdem war er sehr wertschätzend“, berichtet Kerkhoff. Der Organist gab fortan auch Orgelunterricht, vor allem an Jugendliche und Studierende der RWTH, veröffentlichte im Internet Aufrufe. „Manche tragen den Wunsch heimlich mit sich herum. Sie würden aber nicht damit anfangen, Unterricht zu nehmen, wenn man ihnen keine Gelegenheit dazu gibt“, meint er.
26 Jahre war Klaus-C. van den Kerkhoff an der Kirchengemeinde Aachen. Er wird Aachen verlassen und hat in der Medina, der Altstadt von Tunis, ein Haus gekauft. In Tunis gibt es eine römisch-katholische Kathedrale mit der größten Orgel Nordafrikas. Daran hat er bereits gespielt. Wie es mit den Orgelkonzerten in Aachen weitergeht, ist noch unklar. Der zuständige Fachausschuss wird ein Konzept erstellen.
Das letzte Orgelcafé mit Klaus-C. van den Kerhoff findet am Mittwoch, 26. März, in der Annakirche statt. Das Konzert beginnt um 11.05 Uhr, um 10.15 Uhr gibt es die Möglichkeit, an einem Frühstück im Gemeindehaus Annastraße 35 teilzunehmen (5 Euro Kostenbeitrag, zum Konzert ist Eintritt frei). Anmeldung unter Tel. 0241 21155.
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